AktivA in der Praxis - wenn Gruppendynamik zur eigentlichen Aufgabe wird

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AktivA ist ein strukturiertes Programm - und trotzdem ist keine Durchführung wie die andere. Das zeigt ein aktueller Praxisbericht aus dem Jobcenter Unstrut-Hainich-Kreis sehr eindrücklich.

Dort wurde AktivA mit einer Gruppe von langzeitarbeitslosen Menschen im SGB-II-Leistungsbezug durchgeführt. Der Kurs umfasste sechs AktivA-Tage und wurde durch drei zusätzliche Tage mit individueller Beratung ergänzt. In diesen ergänzenden Beratungstagen ging es unter anderem um Themen des SGB II, Arbeitsmarktfragen, Leistungsberatung, individuelle Jobangebote und bewerberorientierte Vermittlung.

Durchgeführt wurde der Kurs im Tandem: Eine erfahrene AktivA-Trainerin leitete den Kurs gemeinsam mit einer Kollegin, die erstmals ein AktivA-Training umsetzte. Gerade diese Kombination erwies sich im Verlauf als sehr hilfreich. Die erfahrene Kollegin konnte Orientierung geben, Vorgehensweisen vorleben und in herausfordernden Situationen unterstützen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass zwei Trainerinnen im Gruppensetting mehr Möglichkeiten haben, individuell auf Teilnehmende einzugehen und Dynamiken im Raum aufzufangen.

Der Einstieg gelang zunächst gut. Mit der Postkartenmethode konnten sich die Teilnehmenden anhand frei gewählter Motive vorstellen. Diese Methode kam in der Gruppe gut an: Alle Teilnehmenden beteiligten sich, berichteten etwas von sich und einzelne Beiträge wurden bereits zu Beginn emotional und persönlich.

Auch viele weitere Methoden konnten erfolgreich umgesetzt werden. Die Arbeit mit Wochenplänen, die symbolische Übung mit den 5-Euro-Scheinen, die A-Z-Methode zu geistigen Aktivitäten, das ABC-Modell, Geschichten zur Reflexion eigener Bewertungen, Rollenspiele zum sicheren Auftreten sowie Entspannungsübungen wurden je nach Gruppe unterschiedlich, aber vielfach sehr aktiv aufgenommen. Besonders schön war, dass einzelne Übungen direkt in reale Alltagssituationen hineinwirkten - etwa als die Gruppe eine Teilnehmerin bzw. einen Teilnehmer bei einer konkreten gesundheitlichen Herausforderung durch Austausch und praktische Hinweise unterstützte.

Gleichzeitig zeigte der Verlauf auch, wie anspruchsvoll AktivA in der Praxis sein kann. Einzelne Teilnehmende brachten zu Beginn wenig eigene Motivation mit und beeinflussten die Gruppe deutlich. Für die Trainerinnen bedeutete das, immer wieder zu klären, zu rahmen, zu beruhigen und die Gruppe zurück zum Arbeitsprozess zu führen. In einer Situation wurde schließlich entschieden, zwei Teilnehmende aus der Maßnahme zu nehmen, weil sie mehrfach deutlich machten, nicht teilnehmen zu wollen und die Gruppe stark belasteten.

Diese Entscheidung war nicht leicht, wurde im Rückblick aber als richtig erlebt. Nach dem Ausschluss veränderte sich die Atmosphäre im Raum spürbar. Auch im Abschlussfeedback wurde von Teilnehmenden zurückgemeldet, dass dieser Schritt für die Gruppe entlastend war.

Der Praxisbericht macht damit einen wichtigen Punkt sichtbar: AktivA braucht einen tragfähigen Rahmen. Gerade wenn Teilnehmende nicht freiwillig oder nur mit geringer eigener Motivation kommen, kann der Verlauf deutlich erschwert werden. Für Jobcenter bedeutet das: Eine gute Vorabinformation, eine passende Auswahl der Teilnehmenden und die Betonung der Freiwilligkeit sind zentrale Erfolgsfaktoren.

Auch die Arbeit mit den Materialien wurde differenziert beschrieben. Für einige Teilnehmende stellte das Arbeitsheft eine Herausforderung dar. Inhalte mussten teilweise mehrfach und Schritt für Schritt erläutert werden. Das zeigt, wie wichtig es ist, Methoden flexibel anzupassen, nicht zu schnell weiterzugehen und die Teilnehmenden dort abzuholen, wo sie stehen.

Besonders hilfreich war für die Trainerin, bei zurückhaltenden oder unmotivierten Teilnehmenden genauer nachzufragen, Pausen auszuhalten und nicht sofort zum nächsten Thema zu wechseln. Manchmal entstand Beteiligung gerade dadurch, dass Raum offen blieb und nicht vorschnell gefüllt wurde.

Als Tipp für andere Trainerinnen und Trainer wird deutlich: AktivA sollte gut vorbereitet werden - auch dann, wenn der Kurs „nur“ halbtags stattfindet. Vorbereitung, Nacharbeit, Besprechungen und Recherche brauchen Zeit. Für die Durchführung selbst kann ein Tandem sehr entlastend und fachlich wertvoll sein.

Zugleich zeigt der Bericht, welche besondere Stärke AktivA haben kann: Es ermöglicht, Menschen anders kennenzulernen. Nicht nur über Aktenlagen, Vermittlungshemmnisse oder Problembeschreibungen, sondern über Interessen, Stärken, Ziele, Bewertungen, soziale Kompetenzen und kleine Entwicklungsschritte.

Genau darin liegt aus unserer Sicht ein besonderer Wert von AktivA: Das Programm schafft einen Rahmen, in dem Teilnehmende sichtbar werden - mit ihren Herausforderungen, aber auch mit ihren Ressourcen. Aufgabe der Trainerinnen und Trainer ist es, diesen Rahmen zu halten, Entwicklungen wahrzunehmen und Stärken an geeigneter Stelle auch zurückzumelden.

Wir bedanken uns herzlich bei Teresa Durstewitz aus dem Jobcenter Unstrut-Hainich-Kreis für den ausführlichen und sehr ehrlichen Einblick in die erste eigene AktivA-Durchführung.

Wenn Sie Interesse an einer Ausbildung für AktivA haben, finden Sie folgende hier folgende Möglichkeiten:

2026-05-07
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