In meinen Seminaren gebe ich gern spontan eine kleine Karte weiter (diese habe ich ursprünglich aus einem Seminar von Ralf Besser erhalten: www.besser-wie-gut.shop). Darauf steht "A + K = E". Die Formel geht auf Schulz von Thun zurück und bringt auf den Punkt, was gelingende Veränderung trägt. Die Person mit der Karte erklärt die Formel und verknüpft sie mit dem Seminarthema. Das gelingt fast immer erstaunlich leicht. Denn "Akzeptanz + Konfrontation = Entwicklung" beschreibt genau die Dynamik, die Gutes möglich macht: Zuerst eine tragfähige Basis schaffen - dann ehrlich an den Punkten bohren, die wehtun, ohne die Akzeptanz zu gefährden.
Die Karte trägt außerdem einen Hinweis auf Zeit. Für mich bedeutet das: Entwicklung braucht Geduld - mit mir selbst und mit den anderen. Tempo ist weniger wichtig als Takt. Wer vorschnell konfrontiert, riskiert Widerstand. Wer nur akzeptiert, riskiert Stillstand. Im richtigen Takt werden Spannungen zur Energiequelle.
Beratung: Wenn ich Menschen berate, beginne ich mit Akzeptanz: zuhören, anerkennen, Perspektiven würdigen. Erst wenn die Basis steht, lade ich zur Konfrontation ein - als respektvolle Einladung, Diskrepanzen wahrzunehmen. So entsteht Verantwortung statt Rechtfertigung, Bewegung statt Blockade.
Führung: Für Führungskräfte gilt das Gleiche. Akzeptanz heißt hier: klare Erwartungen, Respekt, psychologische Sicherheit. Konfrontation heißt: präzises Feedback, ungeschönte Realität, konsequentes Dranbleiben - immer so, dass die Arbeitsbeziehung stabil bleibt. Aus dieser Spannung wächst Leistung und Lernen.
AktivA: Im AktivA-Training lebe ich Offenheit, um Akzeptanz zu ermöglichen - zum Beispiel wenn wir im Wochenrückblick eigene "Schwächen" im Verhalten teilen oder soziale Normen hinterfragen. Später folgt Konfrontation: In der Gläserübung schauen wir der ungeschönten Wahrheit ins Auge und machen uns Diskrepanzen im eigenen Alltag bewusst. Genau dort beginnt Entwicklung - Schritt für Schritt und mit Geduld. AktivA ist praxiserprobt und wissenschaftlich fundiert, u. a. über die Evaluation an der TU Dresden, und zahlt damit ideal auf diese Logik ein.
So wird "A + K = E" zur Haltung, die jede Methode trägt: erst Beziehung, dann Reibung, immer im richtigen Rhythmus. Mit dieser Brille lassen sich Beratungsgespräche, Teamprozesse und persönliche Verhaltensänderungen konsistent gestalten.
"A + K = E" ist mehr als eine Formel von Schulz von Thun. Sie ist eine Einladung, Spannungen auszuhalten, produktiv zu machen und Entwicklung mit Geduld zu begleiten. Wer diese Haltung kultiviert, gestaltet Veränderung, die bleibt.