Absichtslos helfen - Warum echte Veränderung ohne Druck beginnt

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Ich habe neulich wieder in "Das Verunsicherungsbuch" von Klaus Eidenschink geschaut und mir einen interessanten Abschnitt herausgegriffen: "Veränderung aus Absicht(slosigkeit)". Worum geht es? Wir wünschen uns, Menschen spürbar voranzubringen (gerade in der Beratung oder dem Coaching, aber auch bei der Weiterentwicklung von Personal) – und geraten doch manchmal in ein Muster aus Tempo, Tipps und Taten. Die überraschende Einsicht: Wirksam wird Beratung, wenn sie innerlich absichtslos ist. Nicht als Gleichgültigkeit, sondern als zugewandte Präsenz ohne Leistungsforderung. In dieser Kooperation auf Augenhöhe kann sich das, was wirklich "dran" ist, von selbst zeigen - und Schritt für Schritt wachsen.

Angepasste Wirksamkeit

Woran ist nun "angepasste Wirksamkeit" zu erkennen - also Verhaltensweisen, die vor allem darauf beruhen, gefallen zu wollen und (sozialen) Erwartungen zu genügen? Sehen Sie dazu genau hin, wenn Ihr Gegenüber

Das wirkt entschlossen - ist aber oft Anpassungsleistung statt Selbstkontakt (Zugang zu sich selbst und seinen eigenen Bedürfnissen). Letzteres ist essenziell, wenn wir langfristige Zufriedenheit und Selbstwirksamkeit erreichen wollen. Auch für Beratende lauert eine Falle: das eigene Bedürfnis, helfen und "wirksam" sein zu wollen. Wer diesen Druck braucht, füttert ungewollt genau diese Muster beim Gegenüber.

Was stattdessen hilft

Zuwendung ohne Drängen. Das heißt, Emotionen und Unsicherheit gemeinsam halten, ohne sie sofort "weg zu coachen". So entsteht ein geschützter Raum, in dem verlorene Anteile wieder auftauchen dürfen - und erst dann tragfähige Entscheidungen möglich werden. Kurz: Präsenz vor Performance.

Warum mich das beschäftigt

Ich kenne die Herausforderung als Coachee und als Coach - umso dankbarer bin ich für Supervision: Sie macht solche Prozesse sichtbar und korrigierbar. Und genau deshalb ist es bei AktivA zentral, dass Teilnehmende sich vom Gefallen‑Müssen lösen. Schon in der ersten Übung, dem Wochenrückblick, geht es um ehrliche Selbstbeobachtung - ohne Normdruck. Damit rückt der ungetrübte Blick auf die eigene Lage näher.

Sie möchten Absichtslosigkeit als Haltung in Ihrer Beratung erlebbar machen - und in konkrete, alltagstaugliche Schritte übersetzen? Informieren Sie sich über unsere AktivA‑Ausbildungen: AktivA im Einzelsetting (für den Einsatz in der Beratung) oder AktivA im Gruppensetting (für die Arbeit mit Gruppen).

Literatur: Eidenschink, K. (2024). Das Verunsicherungsbuch: Warum das Gute auch schlecht ist. Für Coaches und andere Mutige. Heidelberg: Carl‑Auer.

2026-02-02
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