„Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ – Oder?

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Wann haben Sie eigentlich zuletzt etwas getan, das Ihnen richtig Spaß macht? Das, was im alltäglichen Trubel oft viel zu selten oder gar keinen Platz findet?

Gestern fragte eine Kollegin in der Mittagspause herum, wer am nächsten Tag noch einmal mit ins Freibad kommen möchte – diese machen nämlich demnächst wieder Winterpause. Leider war ich an diesem Tag bereits verplant und konnte sie nicht begleiten, aber ihre Frage aktivierte mich regelrecht. Freibad – Sonne, Wasserrutschen und Freibadpommes – fast hatte ich vergessen, wie gern ich all das eigentlich mochte und wie lange ich trotzdem schon nicht mehr baden oder schwimmen war. Warum eigentlich nicht? Oft erscheinen mir andere Sachen dringlicher – es gibt schließlich so viele wichtige Dinge zu erledigen und erst wenn diese erledigt sind, ja, erst dann habe ich es mir „verdient“, die Dinge zu tun, die ausschließlich meiner Erholung oder dem Vergnügen dienen. 

Kommt Ihnen das vielleicht bekannt vor? Zumindest das Sprichwort kennen wir vermutlich alle – erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Doch ist Vergnügen wirklich etwas, das wir uns erst erarbeiten müssen? Haben wir es erst verdient, uns zu erholen, wenn all die wichtige Arbeit getan ist? Schließlich möchte man sich doch guten Gewissens dem Nichtstun oder dem scheinbar völlig sinnlosen Vergnügen hingeben. Wie Olaf Schubert sagen würde: „Hier beginnt der Hamster zu humpeln.“

Denn wenn wir diese Denkweise voll ausleben würden, stünden wir vor zwei Problemen: 

  1. Es gibt immer etwas zu tun. Da Arbeit ja scheinbar wichtiger als Vergnügen ist, dürfte ich mich also theoretisch nie ausruhen oder unbelastet Spaß haben.
  2. Erholung und Spaß müssen verdient werden. Wenn ich einmal nicht produktiv war, gibt es also auch keine Erholung – Pech gehabt!

Dass wir unsere geliebten Hobbies ausleben, mal die Seele baumeln lassen und Spaß in unserem Leben einem Platz geben, ist mindestens genauso wichtig, wie die privaten oder beruflichen Pflichten, die wir alle zu erfüllen haben. Denn diese brauchen wir – sie dienen als Kraftquelle und stärken uns für unsere alltäglichen Aufgaben. Wenn ich mit meiner Freizeitgestaltung unzufrieden bin, werde ich auch in meinem Beruf nicht die volle Leistung bringen. Von dieser Seite betrachtet, sollte es auch jeder Führungskraft ein Anliegen sein, dass die Mitarbeitenden ein gesundes Bewusstsein für ihre Freizeit entwickeln und ihren Hobbies und ihrer individuellen Erholung nachgehen. 

Natürlich wird es zu Beginn wahrscheinlich Kraft kosten, das Buch aufzuschlagen, was man schon lange lesen wollte und dabei die alltäglichen Aufgaben zu ignorieren, die uns anzuspringen scheinen. Aber das wird mit der Zeit leichter. Und macht dann vielleicht sogar etwas Spaß, gelassen wie Buddha darauf zu schauen und sich davon nicht stören zu lassen. 

Ich für meinen Teil werde morgen auf jeden Fall vor der Arbeit Schwimmen gehen – auch wenn ich dafür etwas früher aufstehen muss 😉 

Und Sie? Was auch immer es ist, ich wünsche Ihnen viel Spaß dabei!

 

Von Annette Schuster
 

2021-09-15